Geistliches Wort

August 19th, 2019

Liebe Leserinnen und Leser,

während unseres Urlaubs gerieten mein Mann und ich in ein starkes Gewitter. Wir konnten uns nur knapp vor Wolkenbruch, Blitz und Donner ins Auto retten.
Gewittern begegne ich immer mit gemischten Gefühlen. Halb gefällt mir das Naturschauspiel: Tiefgrauer Himmel, ein besonderes Licht, alles ist in Bewegung und das drückend Schwülwarme mit einem Schlag verschwunden.
Aber, ich gebe zu, das Getöse verunsichert mich regelmäßig. Faradayscher Käfig hin oder her. Ich habe Angst. Mein Standardsatz: „Im Auto sind wir ja sicher!“ fällt mindestens einmal, bevor das Spektakel vorübergezogen ist.
Wäre es nicht praktisch, wenn es für alle Lebenslagen, denen wir ausgeliefert sind, einen ‚Faradayschen Käfig‘ gäbe? Frei nach dem Motto: Ich habe zwar schlechte Nachrichten bekommen, weiß nicht, wie es weitergeht, aber was macht es schon? Im Auto bin ich ja sicher.
Oder so: In der Welt geht es politisch drunter und drüber, wildgewordene Staatsmänner richten Unheil an, aber ein Glück: In unseren Autos sind wir ja sicher. Ist natürlich Mumpitz.
Nichts ist sicher. Noch nicht einmal die Familie ist für alle Menschen ein sicherer Ort. Wenn wir auf die Nachrichten der letzten Tage schauen, wird uns dies verstörend bewusst. Und jetzt? Mir fällt dazu ein Kanon bzw. ein afrikanisches Sprichwort ein. „Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern!“
Wie es gelingen kann, dass jeder und jede auf den anderen Acht gibt, haben wir im Frühjahr erlebt. Da geht viel, wenn möglichst alle an einem Strang ziehen und Rücksicht nehmen.
Da passiert etwas, wenn Menschen füreinander eintreten. Da gerät etwas in Bewegung, wenn Missstände offengelegt werden und nicht länger vertuscht werden. Und da wächst Vertrauen in das Gute, wenn wir uns auf den besinnen, der uns zusagt: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Gottes Tür steht uns jederzeit offen. Er versteht und weiß. Und das ist kein Mumpitz. In diesem Sinne, lasst uns viele kleine Schritte durch den Sommer tun.
Sehr herzlich grüßend
Ihre Pastorin Sandra Ruge-Tolksdorf

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