Geistliches Wort

August 19th, 2019

Herr, wohin sollen wir gehen?

„Herr, wohin sollen wir gehen?“ Ich kann mir vorstellen, dass das eine der Fragen ist, die sich die 52 Jugendlichen stellen, die im August in unserer Marner Maria-Magdalenen-Kirche und in unserer Kapelle in Neufeld konfirmiert werden. Und ich finde diese Frage mehr als verständlich und berechtigt. Gerade in unserer Zeit, gerade mitten oder vielleicht doch schon am Ende der Pandemie. Ich beneide sie nicht. Sicher, auf der einen Seite haben sie heute scheinbar unendlich viele Möglichkeiten. Scheinbar stehen ihnen heute unendlich viele Wege offen. Doch genau das führt nicht selten dazu, dass Jugendliche den Überblick total verlieren, vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen und überfordert sind. So viele Stimmen dringen auf sie ein. So viele „Wegweiser“ und „Hinweisschilder“ begegnen ihnen auf ihrem Weg. In einem seiner neuen Lieder drückt es der deutsche Reggae-Musiker Gentleman, Sohn eines ev. Pastors, so aus:

„Ich sitze auf dem Sofa und denk, ich muss mich anschnallen.
Fernsehbilder stürzen auf mich ein. Gedanken werden Vasen, die mir dauernd aus der Hand fallen.
Die Welt scheint nicht mehr bei Verstand zu sein.
Slowmotion oder Fast-forward.
Verlieren wir das Gleichgewicht.
Wenn du irgendwo die Fernbedienung siehst.
Ey, komm tu mal was für mich.
Drück mal kurz auf Stop und halt alles an.
Bitte gib mir mal Time-out.
Es ist alles viel zu hell, alles viel zu schnell.
Es ist alles viel zu laut.“

Und wenn ich dann auf die zurückliegende Konfirmand*innenzeit zurückblicke? Mit einem „normalen“ Start im Sommer 2019, dem Lockdown im Frühjahr 2020, Unterricht in Kleingruppen in der Kirche im Herbst 2020, Digitalunterricht 2021 und schließlich zwei Treffen im Gemeindehaus und in der Kirche? Was konnten Marlene Tiessen und ich den Jugendlichen mit auf den Weg geben? Konnten wir die Jugendlichen irgendwie für die Frohe Botschaft von der bedingungslosen Liebe Gottes begeistern? Konnten wir ihnen irgendwie zeigen, dass es sich lohnt, sich auf den Weg mit Gott zu machen, weil es ein Weg ist, auf dem das Leben und die Liebe im Mittelpunkt stehen? Ich weiß es nicht. Die Zukunft wird es zeigen. „Herr, wohin sollen wir gehen?“

Ihr und Euer Pastor  Rainer Petrowski

 

 

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