Geistliches Wort

August 19th, 2019

Auf einmal waren sie da und jetzt stehen sie auf dem Rasen hinter dem Pastorat. Erst waren es wenige, dann aber kamen immer mehr. Sie haben sich gegen Schnee und Eis durchgesetzt. Und jetzt stehen sie immer noch und leuchten in hellem Lila. Die Krokusse blühen! Ich freue mich seit dem jeden Tag, wenn ich aus dem Fenster schaue. Das Leben hat sich durchgesetzt gegen Schnee und Eis. Der Frühling kommt, und mit ihm das Fest des Lebens und der Freude: Ostern. Christus ist auferstanden und schenkt uns das ewige Leben. Ich finde, dieses Fest kommt genau zur rechten Zeit, denn ich merke, dass ich mich danach sehne, aufzuatmen. Die frische Luft des Frühlings will ich riechen und schmecken. Ich will endlich merken, dass sich etwas verändert und die Lockerungen endlich Wirklichkeit werden. Jetzt! Jetzt ist doch die Zeit! So dachte auch der Dichter Ludwig Uhland, obwohl zu seinen Lebzeiten von Corona noch lange nicht die Rede war. Sein Gedicht heißt „Der Frühlingsglaube“:

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Die Natur beginnt sich zu regen und zu verändern. Nun muss sich alles, alles wenden. Schon unter dem Schnee hat die Veränderung begonnen. Wir können sie noch nicht sehen, aber sie ist schon da. Der Krokus weiß vom Frühling bevor wir seine Blüte sehen. Frühlingsglaube- ein schönes Wort. Es erinnert daran, was es heißt, zu glauben. Glaube verändert. Aber das, was sich ändert, ist für uns nicht immer zu sehen oder zu schmecken. Christus spricht: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben“. Er ist das Leben. Er ist es, der alles wendet. Draußen grünt und blüht es, selbst das tiefste Tal. Und innen, innen zittert noch das eigene Herz und begreift es nicht: Die Welt wird schöner mit jedem Tag, Man weiß nicht, was noch werden mag…
Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Osterfest!

Ihre Pastorin Andra Bock

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